Aufmerksamkeits-Defizit-Hyperaktivitätssyndrom (ADHS)

Das Aufmerksamkeits-Defizit-Hyperaktivitätssyndrom (ADHS) wird in der ICD-10 der WHO unter den „hyperkinetischen Störungen“ aufgeführt und als „einfache Aktivitäts- und Aufmerksamkeitsstörung“ (F.90) klassifiziert. Es gilt somit als eine psychische Erkrankung. Die Kernsymptome sind: Aufmerksamkeitsschwäche (von Lehrerinnen oder Lehrern häufig beschrieben als: „leicht ablenkbar“, „unfähig, sich länger zu konzentrieren“) Überaktivität („zappelig“, „außer Rand und Band“, „Klassenclown“) und Impulsivität („kann nicht abwarten“, „unterbricht und stört andere häufig“).

Beim sogenannten Aufmerksamkeitsdefizitsyndrom (ADS) fehlt die Hyperaktivität. Die Ätiologie von ADHS ist mehr als umstritten. Bisweilen wird sogar bezweifelt, dass es ADHS als Krankheit überhaupt gibt. Viele Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler sowie Ärztinnen und Ärzte gehen derzeit davon aus, dass es sich bei den Ursachen von ADHS um ein komplexes Gefüge aus neurobiologischen, psychosozialen und umweltbedingten Faktoren handelt.

Dem entspricht die gängige Therapie, das so genannte „multimodale Behandlungskonzept“, das neben einer sorgfältigen Diagnose auch die Beratung der Eltern und anderer Bezugspersonen sowie psychotherapeutische und psychosoziale Behandlungs- und Betreuungsmaßnahmen einschließt. Verschiedene Vorgehensweisen wie Psychotherapie, medikamentöse Therapie, pädagogische Maßnahmen und psychosoziale Hilfestellungen greifen so ineinander. Die Zusammenarbeit mit der Schule ist hierbei ein wichtiger Bestandteil.

Eine Frühdiagnose ist besonders wichtig, weil ohne rechtzeitige Behandlung weitere psychische Störungen entstehen können. An der Behandlungsnotwendigkeit des Erscheinungsbildes zweifeln auch die Experten nicht, die die Existenz von AD(H)S als Krankheit in Frage stellen.

Schulalltag mit der Krankheit

Früherkennung von ADHS
Eine Kombination der nachstehenden Symptome können nach der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung Anzeichen für ADHS sein:

Die Schülerin oder der Schüler

  • kann sich nur schwer auf etwas konzentrieren, ist leicht ablenkbar, verfällt in „Tagträume“
  • ist „hyperaktiv“, ungeduldig, zappelt, handelt impulsiv und ohne Rücksicht auf die Folgen
  • stimuliert sich selbst (durch Kratzen, Zupfen an den Haaren)
  • redet häufig dazwischen
  • hat Schwierigkeiten, sich an Spielen zu beteiligen
  • beendet angefangene Dinge (Aufgaben, Spiele) oft nicht
  • hat Mühe mit bestimmten Bewegungen und Bewegungsabläufen und hat – auch wegen ihrer oder seiner Impulsivität – häufiger Unfälle als andere Schülerinnen oder Schüler
  • ist schnell gereizt und aggressiv oder zieht sich bei Konflikten zurück
  • macht viele Flüchtigkeitsfehler beim Lesen, Schreiben und Rechnen
  • die Schrift ist zumindest zeitweise unleserlich


Schullalltag mit ADHS
Das Erscheinungsbild von ADHS ist vielfältig und außerdem altersabhängig. Dementsprechend unterschiedlich – und außerdem noch abhängig von der Klassenzusammensetzung, der Unterrichtsorganisation etc. – sind die Auffälligkeiten im Schulalltag. Schülerinnen und Schüler mit ADHS stellen oft sehr hohe Anforderungen an ihre Lehrerinnen und Lehrer und ihre Mitschülerinnen und Mitschüler. Doch auch die Schülerinnen und Schüler selbst leiden unter ihrem Verhalten. Sie wollen, können sich aber oft nicht anders verhalten. Deshalb sind sie oft traurig und wütend auf sich selbst.

Ihr Schulalltag ist geprägt von ständigen Ermahnungen und Sanktionen und vielen Misserfolgserlebnissen (bis hin zu Unfällen durch unbedachtes Verhalten) und die Übernahme problematischer Rollen in der Klasse („Klassenclown“, „Hans guck in die Luft“). Dies schwächt ihr Selbstwertgefühl und sie fühlen sich oft als „chronische Versager“. Hinzu kommt, dass viele Schülerinnen oder Schüler mit ADHS Probleme haben, Freundschaften aufzubauen. So sind sie schnell sozial isoliert. Aufgrund ihrer begrenzten Aufmerksamkeitsspanne sind sie in ihrer schulischen Leistungsfähigkeit eingeschränkt: sie können dem Unterricht nicht lange konzentriert folgen, Klassenarbeiten im normalen Umfang werden ebenso zur Tortur wie das Erledigen der Hausaufgaben.

Sonderregelungen und Nachteilsausgleich

Den Einschränkungen durch die Krankheit können Sie mit differenzierten Unterrichtsmaterialien, Sonderregelungen und Nachteilsausgleich Rechnung tragen. Solch ein Nachteilsausgleich kann in der Strukturierung komplexer Aufgaben in Teilaufgaben bestehen. In Brandenburg gibt es beispielsweise die Möglichkeit, das Arbeits- und Sozialverhalten anders zu bewerten.

Besonderheiten im Sportunterricht

Sport tut Schülerinnen und Schülern mit ADHS/ADS besonders gut. Aufgrund ihrer Impulsivität (Ignorieren von Absprachen) und Vergesslichkeit (Sportzeug vergessen) verbringen sie jedoch leider oft viele Stunden auf der Bank. Wegen ihrer Impulsivität und ihrem verminderten Gefahrenbewusstsein sind sie im Sport auch unfallgefährdeter als andere Schülerinnen und Schüler und brauchen daher Ihre besondere Aufmerksamkeit. Mit folgenden Sportarten können Sie die Fähigkeit zur Selbststeuerung besonders gut fördern: Trampolin, Akrobatik, Jonglieren, BreakDance, Rollschuh- und Stelzenlaufen, Balancieren.

Klassenfahrten und Ausflüge

Wegen ihrer Impulsivität kann es nötig sein, dass Sie eine zusätzliche Begleitperson mitnehmen, um die Aufsichtspflicht gewährleisten zu können. Vor längeren Unternehmungen ist mitunter zu klären, wie die regelmäßige Medikamenteneinnahme gewährleistet werden kann. Schülerinnen und Schüler mit ADHS von außerschulischen Unternehmungen auszuschließen, ist nicht ratsam, weil dies ihre drohende soziale Isolation und die Selbstwertproblematik noch weiter verstärken kann. Eine Teilnahme ist zur Förderung des sozialen Lernens und der sozialen Integration sehr wichtig.

„Pädagogische“ Notfallsituationen

Die Bewältigung eines normalen Schulalltags bedeutet für die betroffene Schülerin oder den betroffenen Schüler eine kontinuierliche, von vielen Misserfolgserlebnissen begleitete, Anstrengung. Fühlt sich die Schülerin oder der Schüler völlig überfordert und „überreizt“, kommt es mitunter zu einem akuten Erregungszustand, für den Schreien, Treten, Toben, Panik, Auflehnung und andere extreme, unbeherrschbar erscheinende Verhaltensweisen, etc. charakteristisch sind.

Vorbeugende Maßnahmen
Grundsätzlich ist es natürlich am besten, wenn Sie versuchen, einer solchen Eskalation vorzubeugen, indem Sie für die Anzeichen einer Überforderung und „Überreizung“ besonders sensibel sind. Je nach Alter der Schülerinnen und Schüler können Sie mit ihnen auch Absprachen darüber treffen, dass sie ihre Empfindungen möglichst rechtzeitig artikulieren und dann z.B. eine Pause einlegen dürfen. Es empfiehlt sich auch, das Verhalten in Krisensituationen regelmäßig in entspannten Situationen mit der Schülerin oder dem Schüler zu üben.

Während des akuten Erregungszustands
Im Zustand der Erregung sind die Schülerinnen und Schüler für Belehrungen, Maßregelungen und Aufforderungen nicht erreichbar. Wenn das Umfeld aufgeregt oder verärgert reagiert, verschlimmert dies die Situation nur.
Deshalb empfiehlt es sich, unbedingt Ruhe zu bewahren – egal was passiert (ist). Wenn möglich halten Sie die Mitschülerinnen und Mitschüler von der Schülerin oder dem Schüler fern und suchen Sie mit dieser oder diesem einen ruhigen Raum auf.
Sinnvoll ist es, die Schülerin oder den Schüler nicht allein zu lassen. Manchmal kann ein kurzer Körperkontakt helfen. Sie sollten jedoch darauf achten, dass die Schülerin oder der Schüler sich durch ihre Nähe nicht bedrängt fühlt.
Geben Sie der Schülerin oder dem Schüler Zeit, um wieder zur Ruhe zu kommen.

Nach dem akuten Erregungszustand
Lassen Sie die Sache direkt nach einem akuten Erregungszustand erst mal auf sich beruhen. Denn es ist nicht sinnvoll und führt zu nichts, die Schülerin oder den Schüler in dieser Phase erneut unter Druck zu setzen.

Ein klärendes Gespräch sollte es aber zu einem späteren Zeitpunkt geben. Hierbei können Sie auch Ihre Reaktionen auf einen akuten Erregungszustand besprechen. Diese sollten von Ihnen nicht als Strafe gemeint sein, und es ist wichtig, dass die Schülerin oder der Schüler sie auch nicht als solche interpretiert.

Hilfsmittel

Zu diesem können wir Ihnen zwei Hilfsmittel zur Verfügung stellen.

Jeder Schüler ist anders

Unterstützung und Ansprechpartner

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